Energiewende selbst gestalten

Rund 85% der Leipziger*innen wohnen zur Miete, vielleicht ja auch du. Das heißt trotzdem nicht, dass du auf die Energiewende warten musst, du kannst heute anfangen.

Ob Ökostromwechsel, Balkonkraftwerk, clever Energie sparen, Fassadenbegrünung oder ein gut vorbereitetes Gespräch mit dem Eigentümer – auf dieser Seite zeigen wir dir konkret, welche Hebel du in Leipzig hast. Mit Verweisen auf lokale Anlaufstellen, Förderprogramme und städtische Tools.

Schön, dass du hier bist und die Energiewende voranbringen möchtest!

Bei dir zuhause

Selbst sofort umsetzen

Beim Vermieter

Anregen und einfordern

In der Stadt

Gemeinsam gestalten

Bei dir zuhause: So legst du sofort los

Diese fünf Dinge kannst du ohne Rücksprache mit Vermieter oder Hausverwaltung angehen. Manche sind in zehn Minuten erledigt, andere brauchen ein paar Stunden Recherche, aber alle wirken sofort.

⚡ Zu Ökostrom wechseln

Du hast freie Wahl, wer dir Strom liefert. Wechsle zu zertifiziertem Ökostrom, der direkteste Hebel, den du hast, um fossile Energie zu verdrängen. Der Wechsel dauert zehn Minuten und kostet nichts; dein neuer Anbieter kündigt den alten automatisch.

Worauf du achten solltest: echte Ökostrom-Label wie „Grüner Strom“ oder „ok-power“ – sie garantieren, dass dein Geld tatsächlich in neue erneuerbare Kraftwerke fließt. Reine „Ökostrom“-Bezeichnungen ohne Zertifikat sagen wenig aus.

Lokale Option: Die Stadtwerke Leipzig bieten zertifizierte Ökostrom-Tarife an. Vergleichsportale wie Verivox oder Check24 zeigen dir auch bundesweite Anbieter – filter dort gezielt nach zertifiziertem Ökostrom.

☀️ Balkonkraftwerk installieren

Seit Mai 2024 ist das so einfach wie noch nie. Ein Balkonkraftwerk bis 800 Watt Ausgangsleistung und 2.000 Watt-Peak Modulleistung kannst du ohne Baugenehmigung anschließen und einfach in die Steckdose stecken. Bei größeren Modulen empfehlen Fachleute eine spezielle Steckdose vom Elektriker.

Was du tun musst: Anlage im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur registrieren (kostenlos, online, ca. 15 Minuten). Seit Oktober 2024 hast du als Mieter*in einen Rechtsanspruch darauf, dass dein Vermieter dir die Installation erlaubt. Pauschale Ablehnung – etwa wegen der Optik – reicht nicht mehr. Hol dir die Zustimmung trotzdem in Textform, am besten per E-Mail mit Produktdatenblatt und CE-Zertifikat. Wer einfach drauflosbaut, kann zum Rückbau verpflichtet werden, auch wenn die Anlage eigentlich genehmigungsfähig wäre.

Tipp: Als Mieter*in in Sachsen bekommst du 300 € Zuschuss von der Sächsischen Aufbaubank, wenn du ein Balkonkraftwerk anschaffst, schau mal in den Abschnitt Förderungen weiter unten.

💡 Energie clever sparen

Die günstigste Kilowattstunde ist die, die du gar nicht erst verbrauchst. Die größten Hebel in Mietwohnungen:

  • Heizverhalten: Raumtemperatur um ein Grad senken spart rund sechs Prozent Heizkosten. Stoßlüften statt Fenster kippen. Thermostatventile richtig einstellen.
  • Stromfresser identifizieren: Alte Kühlschränke, Standby-Geräte und ineffiziente Beleuchtung sind die häufigsten Übeltäter. LED-Lampen und abschaltbare Steckerleisten sind schnell umgesetzt.
  • Warmwasser: Sparduschkopf, Duschzeit reduzieren, Kühlschrank auf 7 °C einstellen.

Kostenlose Beratung: Die Verbraucherzentrale Sachsen bietet Energieberatung — oft kostenfrei oder stark ermäßigt. Auch ein Besuch vor Ort ist möglich. Das lohnt sich besonders, wenn du deine Nebenkostenabrechnung nicht nachvollziehen kannst.

📊 Smart Meter beantragen

Seit 2025 hast du als Mieter*in einen gesetzlichen Anspruch: Jeder Haushalt kann den Einbau eines intelligenten Messsystems (Smart Meter) verlangen. Der zuständige Messstellenbetreiber muss innerhalb von vier Monaten liefern.

Warum sich das lohnt: In Kombination mit einem dynamischen Stromtarif zahlst du den Strompreis, der gerade an der Börse herrscht — viertelstündlich aktualisiert. Wer seinen Stromverbrauch (Waschmaschine, Geschirrspüler, E-Auto laden) gezielt in günstige Zeitfenster verlegt, spart deutlich und unterstützt gleichzeitig den Netzausbau mit erneuerbaren Energien.

So gehst du vor: Schau auf deine Stromrechnung, dort steht dein Messstellenbetreiber (meist Netz Leipzig). Schreib ihm formlos eine E-Mail mit der Bitte um Smart-Meter-Einbau. Die Kosten sind gesetzlich gedeckelt: einmalig bis zu 100 € für den Einbau, dazu rund 20-50 € pro Jahr Betriebskosten.

🌱 Grün für deine Wohnung und für die Straße

Pflanzen auf dem Balkon, vor dem Fenster und in deiner Straße kühlen die Stadt spürbar – und du kannst überall etwas dazu beitragen. Ein begrünter Balkon senkt die Umgebungstemperatur um mehrere Grad, verbessert das Mikroklima und bindet Feinstaub.

Ganz einfach: Blumenkästen, Kletterpflanzen an Rankgittern (ohne Fassadeneingriff), mobile Pflanzsysteme mit Töpfen oder Hochbeeten. Alles, was nicht dauerhaft am Gebäude befestigt wird, ist mietrechtlich unproblematisch.

Über den Balkon hinaus: Auch die Straßenbäume vor deiner Tür brauchen Hilfe – gerade junge Bäume in den heißen Sommern der letzten Jahre. Die Initiative LEIPZIG GIESST zeigt dir per App und Karte, wo welche Bäume gerade durstig sind. Ein Eimer Wasser, ein paar Mal pro Sommer – wirksamer Klimaschutz mit Gießkanne kann so einfach sein.

Beim Vermieter: Deine Rechte und was du anregen kannst

Viele größere Maßnahmen, z.B. neue Heizung, Dämmung, PV-Anlage, Fassadenbegrünung, liegen in der Hand deines Vermieters oder deiner Hausverwaltung. Du entscheidest nicht, aber du hast Informationsrechte, du kannst aktiv Anregungen geben, und du hast gute Argumente. Viele Vermieter sind für sachlich vorgetragene Vorschläge offener, als man denkt – gerade wenn du Förderprogramme und wirtschaftliche Vorteile mitlieferst.

📋 Was dir zusteht: Information und Transparenz

Du hast als Mieter*in gesetzlich verankerte Informationsrechte. Dein Vermieter muss dir auf Anfrage bestimmte Dinge zur Verfügung stellen:

  • Energieausweis des Gebäudes – den kannst du anfordern, spätestens bei Vertragsabschluss muss er dir vorgelegt werden
  • Nachvollziehbare Nebenkostenabrechnung mit Einsichtsrecht in die Belege
  • Informationen zur Heizungsart und zum Energieträger

Wenn deine Nebenkostenabrechnung unklar ist oder überhöht wirkt, lass sie prüfen — zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale Sachsen oder einer Fachanwältin bzw. einem Fachanwalt für Mietrecht. Das kostet oft wenig und bringt häufig deutliche Erstattungen. Hinweis: Der Mieterverein Leipzig nimmt aktuell keine neuen Mitglieder auf — für Bestandsmitglieder bleibt er aber die erste Anlaufstelle.

🔥 Heizung und Wärmewende anstoßen

Heizung und Wärme sind für einen durchschnittlichen Haushalt in Leipzig die größten Energieverbraucher, darum gibt es hier viel zu tun. Leipzig hat eine kommunale Wärmeplanung erstellt, die für viele Stadtteile Fernwärme vorsieht.

Was du konkret anregen kannst:

  • Fernwärme-Anschluss prüfen lassen, wenn euer Quartier dafür vorgesehen ist. Wichtig zu wissen: Die einmaligen Anschlusskosten landen nicht direkt in deiner Nebenkostenabrechnung. Sie können aber als Modernisierung über die Miete laufen – mit den üblichen Grenzen (siehe Abschnitt unten).
  • Hydraulischer Abgleich der bestehenden Heizung — eine günstige Maßnahme, die spürbar Heizkosten senkt und zu deren Durchführung Vermieter inzwischen oft verpflichtet sind.
  • Digitale Thermostate für eine effizientere Regelung.

Hilfreicher Schritt vorab: Schau in den Wärmewende-Kompass der Stadt Leipzig — dort siehst du, welche Wärmeversorgung für deine Adresse geplant ist. Mit diesen Infos im Gespräch wirkst du vorbereitet und ernst zu nehmen.

🏠 Energetische Sanierung: Rechte und Grenzen

Vermieter dürfen energetisch modernisieren (Dämmung, Fenstertausch, neue Heizung) und einen Teil der Kosten dauerhaft auf die Miete umlegen – aktuell bis zu acht Prozent der Investitionskosten pro Jahr. Aber: Die Miete darf dadurch in sechs Jahren um maximal 3 €/m² steigen, bei günstigeren Wohnungen (unter 7 €/m²) sogar nur um 2 €/m². Beim Heizungstausch ist die Grenze noch deutlich niedriger – nur 50 Cent pro Quadratmeter in sechs Jahren. Das macht die Modernisierung trotzdem zu einer zweischneidigen Sache: die Wohnung wird besser, aber auch teurer.

Deine Rechte dabei:

  • Ankündigungspflicht: Modernisierungen müssen mindestens drei Monate vorher in Textform angekündigt werden, mit Angaben zu Art, Umfang, Dauer und voraussichtlicher Mieterhöhung.
  • Härteeinwand: Wenn dich die Bauarbeiten oder die spätere Mieterhöhung unzumutbar belasten, kannst du Einwand erheben – einmal gegen die Maßnahme selbst, einmal gegen die Mieterhöhung.
  • Wirtschaftlichkeitsprüfung: Energieeinsparung muss tatsächlich eintreten, ansonsten ist die Umlage angreifbar.

Wenn du Sanierung anregen willst: Formuliere konkret, was du für sinnvoll hältst – neue Fenster, Dachdämmung, Heizungstausch – und verweise auf Förderprogramme (siehe Abschnitt „Förderungen“ weiter unten). Ein Vermieter, der Geld sparen kann, hört eher zu.

☀️ PV-Anlage und Mieterstrom vorschlagen

Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Mietshauses ist eines der wirksamsten Werkzeuge – und für Vermieter dank EEG-Vergütung und sinkender Anlagenpreise mittlerweile oft wirtschaftlich. Für dich als Mieter*in kann es günstigen Strom direkt aus dem eigenen Dach bedeuten: über sogenannte Mieterstrommodelle.

Was Mieterstrom bedeutet: Der auf dem Hausdach erzeugte Solarstrom wird direkt an die Mieter*innen im Haus geliefert — meist zu einem Preis unterhalb des üblichen Tarifs. In Leipzig gibt es externe Anbieter, die solche Modelle für Eigentümer anbieten und umsetzen.

Dein Hebel: Rechne deinem Vermieter die Wirtschaftlichkeit vor (Eigenverbrauch, Einspeisevergütung, Mieterstromzuschlag) und verweise auf die bundesweiten Förderprogramme und das „Solarpaket I“. Eine PV-Anlage auf dem Dach kann sich heute in unter zehn Jahren rechnen, je nachdem, wie viel Strom direkt im Haus verbraucht wird.

🌿 Fassaden- und Dachbegrünung vorschlagen

Begrünte Fassaden und Dächer kühlen Gebäude, verbessern die Luftqualität, binden Feinstaub, reduzieren Starkregen-Abfluss und schützen die Bausubstanz vor UV und Temperaturschwankungen. Für Vermieter ist das mehr als Klimaschutz, es ist Werterhalt.

Leipzig fördert gezielt: Die Stadt Leipzig hat Förderprogramme für Dach- und Fassadenbegrünung, die einen Teil der Kosten übernehmen. Das ist ein Argument, das du direkt einbringen kannst.

Konkreter Vorschlag an deinen Vermieter:

  • Fassadenbegrünung an geeigneten Wänden (je nach Bausubstanz, manche Systeme brauchen keine Fassadeneingriffe)
  • Dachbegrünung bei Flachdächern, oft kombinierbar mit PV-Anlage
  • Hofentsiegelung mit wasserdurchlässigen Belägen und Beetflächen

Wenn mehrere Mieter*innen im Haus Interesse haben, zieht das mehr: ein gemeinsames Schreiben hat mehr Gewicht als ein einzelner Vorschlag.

In der Stadt: Gemeinsam stärker

Die Energiewende ist nicht nur eine Sache zwischen dir und deinem Stromanbieter, sie ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Gemeinsam mit anderen bewegst du mehr: im eigenen Haus, in Bürgerenergie-Strukturen, in lokalen Initiativen oder politisch. Leipzig hat dafür eine lebendige Szene, in der du direkt andocken kannst.

🏘 Im Haus: Mit anderen Mieter*innen zusammenschließen

Ein gemeinsamer Brief an die Hausverwaltung hat mehr Gewicht als ein einzelner. Wenn mehrere Parteien im Haus Interesse an energetischer Sanierung, Fassadenbegrünung oder einer PV-Anlage haben, ist das für Vermieter ein ganz anderes Signal als eine Einzelanfrage.

Wie du anfangen kannst: Häng einen Aushang im Treppenhaus aus, sprich Nachbarn im Flur an, richte eine kleine WhatsApp- oder Signal-Gruppe ein. Oft merkst du erst dann, wie viele andere ähnliche Gedanken haben.

Gemeinsam formuliert: Ein kurzes Schreiben mit konkreten Vorschlägen und Verweisen auf Förderprogramme, unterschrieben von mehreren Parteien, ist einer der wirksamsten Hebel, den Mieter*innen überhaupt haben.

⚡ In Bürgerenergie-Genossenschaften mitmachen

Bürgerenergie-Genossenschaften bauen und betreiben PV-Anlagen, Windräder oder Nahwärmenetze in Bürgerhand. Du kannst auch ohne eigenes Dach an der Energiewende beteiligt sein – mit kleinen Anteilen ab oft schon 100 oder 500 Euro. Genossenschaften sind demokratisch organisiert: eine Stimme pro Mitglied, unabhängig von der Anteilshöhe.

Was du davon hast: eine sichtbare, zählbare Beteiligung an konkreten Anlagen in der Region, oft bescheidene Dividenden, und das Gefühl, dass dein Geld etwas tut, was du sehen kannst.

Wo du in Leipzig und Umgebung andockst: Im Raum Leipzig gibt es mehrere aktive Bürgerenergie-Genossenschaften. Eine aktuelle Übersicht findest du beim Bündnis Bürgerenergie: die Suchfunktion auf deren Seite zeigt Genossenschaften in deiner Nähe.

🌍 Lokale Klimainitiativen unterstützen

In Leipzig gibt es eine Reihe etablierter Umwelt- und Klimaorganisationen, die zu Energie, Wohnen und Stadtklima arbeiten — und die Ehrenamtliche brauchen:

Schon ein Abo des Newsletters oder der Besuch eines Infoabends zeigt, wie viel in der Stadt gerade in Bewegung ist und öffnet oft Türen zu Themen, von denen du vorher gar nicht wusstest, dass sie dich betreffen.

🗳 Politisch aktiv werden

Viele der wirklich großen Hebel – Netzentgeltreform, Mieterstrom-Regeln, Modernisierungsumlage, Förderprogramme, Fernwärme-Preisaufsicht – liegen in der Politik. Du kannst mitgestalten:

  • In deinem Stadtteil: Stadtteilforen, Quartiersdialoge zur Wärmeplanung, Einwohneranfragen im Stadtrat
  • Bei uns: Die AG Stadtentwicklung und Mobilität sowie die AG Klima & Energie unserer bündnisgrünen Partei in Leipzig treffen sich regelmäßig und freuen sich über neue Mitstreiter*innen, auch ohne Parteimitgliedschaft
  • Grünes Mitglied werden: Wenn du längerfristig mitarbeiten willst, ist eine Mitgliedschaft der direkteste Weg zu Abstimmungsrechten und Gestaltungsmacht

Wer selbst mitredet, wartet nicht darauf, dass andere die Richtung setzen. Wir sind gespannt, dich bald in einer unserer AGs zu treffen!

Digitale Helfer: Tools aus Leipzig und für Leipzig

Die Stadt Leipzig und einige bundesweite Portale haben kostenlose Werkzeuge online gestellt, die dir helfen, deine Energiesituation einzuschätzen. Manche sind eigentlich für Eigentümer gedacht, aber auch für dich als Mieter*in interessant, weil sie dir Argumente und Fakten für Gespräche mit der Hausverwaltung liefern.

🧭 Leipziger Wärmewende-Kompass

Ein Online-Werkzeug der Stadt Leipzig, das nach Eingabe deiner Gebäudedaten zeigt, welche Heizungsart zum Haus passt, welche Sanierungen sinnvoll wären und welche Förderprogramme Kosten senken können.

Kleiner Haken: Das Tool richtet sich primär an Eigentümer. Als Mieter*in kannst du es trotzdem nutzen – zum Beispiel, um vor einem Gespräch mit dem Vermieter zu verstehen, welche Optionen für euer Haus realistisch sind. Fakten schlagen Meinung.

Zum Tool: Leipziger Wärmewende-Kompass auf leipzig.de

🔥 Wärme für Leipzig: Das städtische Portal

Die gemeinsame Informationsseite von Stadt Leipzig, Leipziger Stadtwerken, Netz Leipzig und LWB. Hier findest du, welche Stadtteile für einen Fernwärme-Ausbau vorgesehen sind, wann die endgültige Wärmeplanung beschlossen wird und welche dezentralen Lösungen für dein Quartier infrage kommen. Der „Wegweiser“ enthält einen FAQ-Bereich speziell für Mieter*innen — mit Antworten auf die häufigsten Fragen rund um Fernwärme, Kosten und was die Wärmewende für dich bedeutet.

Zum Portal: waerme-fuer-leipzig.de und Wegweiser auf leipzig.de

💶 Bundesweiter Fernwärme-Preisvergleich

Bei Fernwärme hast du als Nutzer*in keine Anbieterwahl – das ist bauartbedingt ein Monopol. Umso wichtiger ist Preistransparenz. Auf dem bundesweiten Vergleichsportal siehst du, ob die Preise deines Versorgers marktüblich sind oder deutlich darüber liegen.

Wenn dir Preise überhöht erscheinen: Du kannst dich ans Bundeskartellamt oder die zuständige Landesbehörde wenden. In Einzelfällen lassen sich unberechtigte Preiserhöhungen auch rückwirkend angreifen.

Zum Portal: waermepreise.info

Förderungen: Wer dir finanziell unter die Arme greift

Für viele Maßnahmen, z.B. Balkonkraftwerk, Heizungstausch, Dämmung, Fassadenbegrünung, gibt es öffentliche Zuschüsse. Teils direkt für dich als Mieter*in, teils für deinen Vermieter, wenn du ihm die richtige Information lieferst. Hier eine Übersicht der wichtigsten Anlaufstellen, die konkreten Fördersätze und Bedingungen ändern sich regelmäßig, deshalb solltest du direkt auf den verlinkten Seiten die aktuellen Konditionen prüfen.

Balkonkraftwerk: 300€ vom Land Sachsen

Wenn du als Mieter*in in Sachsen ein Balkonkraftwerk anschaffst, kannst du dir 300 € als Festbetragszuschuss von der Sächsischen Aufbaubank (SAB) holen. Wichtig: Der Eigentümer-Topf ist seit Ende 2023 ausgeschöpft, das Mieter*innen-Kontingent ist aber weiterhin gut gefüllt — Stand Anfang 2026 reichen die Mittel rechnerisch noch für mehrere tausend Anträge.

Wie’s geht: Erst die Anlage kaufen, anschließen und im Marktstammdatenregister registrieren — dann den Antrag online bei der SAB stellen. Du brauchst die bezahlte Rechnung, ein Foto der installierten Anlage, deine MaStR-Nummer und die schriftliche Zustimmung deiner Vermieter*in.

Förderprogramm bei der SAB

Zusätzlich möglich: Die Stadt Leipzig hat in den letzten Jahren auch eigene Programme aufgelegt, die meist schnell ausgeschöpft waren. Schau auf leipzig.de unter „Umwelt und Klima“, ob’s gerade wieder eines gibt – Doppelförderungen sind nicht zulässig, du kannst dich also nur für eines entscheiden. Einige Energieversorger bieten Bonusprogramme für Kund*innen, die ein Balkonkraftwerk anmelden.

🏠 Sanierung und Heizungstausch: Bundesförderung (BEG)

Für energetische Sanierung und neue Heizungen ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) der zentrale Topf. Sie wird über zwei Wege ausgereicht:

  • KfW-Bank für größere Sanierungspakete und Systemlösungen (zum Beispiel Wärmepumpen, Effizienzhaus-Sanierung)
  • BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) für Einzelmaßnahmen wie Dämmung, Fenstertausch oder Anlagentechnik

Wichtig für dich als Mieter*in: Diese Förderungen kann nur der Eigentümer beantragen, aber gerade deshalb lohnt es sich, deinen Vermieter auf die Möglichkeiten hinzuweisen. Ein Hinweis auf öffentliche Zuschüsse – je nach Maßnahme können das 15 bis über 70 Prozent sein – macht eine Sanierung aus seiner Sicht plötzlich viel attraktiver.

Zu den Programmen: KfW-Bank und BAFA-Fördernavigator

🌿 Dach- und Fassadenbegrünung: Leipzig-spezifisch

Die Stadt Leipzig fördert Dach- und Fassadenbegrünung an Bestandsgebäuden als Maßnahme zur Klimaanpassung. Das Programm richtet sich an Eigentümer — auch hier bist du als Mieter*in gefragt, die Information zum richtigen Zeitpunkt in die richtige Hand zu geben.

Aktuelle Infos: Die Konditionen und Förderkulisse findest du auf leipzig.de unter den Stichworten „Gebäudebegrünung“ oder „Klimaanpassung“. Das Amt für Umweltschutz ist auch direkt ansprechbar für Rückfragen.

💡 Energieberatung: oft kostenlos oder stark ermäßigt

Wer eine Energieberatung sucht, bekommt sie in Leipzig oft deutlich günstiger, als man denkt, manchmal sogar kostenfrei:

  • Verbraucherzentrale Sachsen: Energieberatung auch für Mieter*innen, mit einkommensabhängigen Ermäßigungen
  • BAFA-geförderte Vor-Ort-Beratung: Für Eigentümer*innen bezuschusst der Bund unabhängige Energieberatung deutlich
  • Stadtwerke Leipzig: Bieten ebenfalls Beratungsgespräche an

Eine gute Energieberatung zahlt sich meist schon im ersten Jahr durch gesenkte Nebenkosten aus, und liefert dir die Grundlage für fundierte Gespräche mit Vermieter oder Hausverwaltung.

Wenn du Hilfe brauchst: Anlaufstellen in Leipzig

Du musst das alles nicht allein herausfinden. In Leipzig gibt es Beratungsstellen, Vereine und Organisationen, die dir bei konkreten Fragen weiterhelfen, oft kostenlos oder für einen kleinen Mitgliedsbeitrag. Hier die wichtigsten Adressen, sortiert nach Thema.

🏠 Mietrecht und Mietverhältnis

Beratung im Mietrecht

Bei Ärger mit Hausverwaltung, unklaren Nebenkostenabrechnungen, Modernisierungsankündigungen oder Fragen zur Modernisierungsumlage gibt es in Leipzig mehrere Anlaufstellen:

  • Verbraucherzentrale Sachsen — gute Adresse für Nebenkosten, Heizkostenabrechnungen und Energieverträge, oft kostenfrei oder stark ermäßigt. → verbraucherzentrale-sachsen.de
  • Fachanwält*innen für Mietrecht — für Einzelfälle wie Kündigung, Modernisierungsankündigung oder Härtefalleinwand. Die Rechtsanwaltskammer Sachsen bietet eine Anwaltssuche. Bei geringem Einkommen übernimmt die Erstberatung ein Berechtigungsschein des Amtsgerichts (Beratungshilfe) — Kosten bleiben dann bei 15 Euro oder entfallen ganz.
  • Mieterverein Leipzig e.V. — langjährige Mitglieder-Organisation mit umfassender Rechtsberatung. Wichtig: Aktuell keine Neuaufnahme von Mitgliedern; für Bestandsmitglieder bleibt er aber die wichtigste Anlaufstelle. → mieterverein-leipzig.de

💡 Energie, Verbrauch und Nebenkosten

Verbraucherzentrale Sachsen — Beratungsstelle Leipzig
Unabhängige Energieberatung für Mieterinnen und Eigentümerinnen. Themen: Stromanbieterwechsel, Heizkosten, Smart Meter und dynamische Tarife, Balkonkraftwerke, Gerätekauf. Viele Angebote sind kostenfrei oder stark ermäßigt, gerade für einkommensschwächere Haushalte.
verbraucherzentrale-sachsen.de

Stadtwerke Leipzig — Energieberatung
Beratung rund um Strom- und Wärmeprodukte, Tarifwechsel und das Leipziger Fernwärmenetz.
l.de/stadtwerke/privatkunden

 

🌍 Klima und Umwelt

Ökolöwe — Umweltbund Leipzig e.V.
Leipzigs größte Umweltorganisation. Arbeitet in Fachbereichen zu Umweltpolitik & Naturschutz, nachhaltiger Mobilität & Stadtentwicklung und grüner Stadtgestaltung. Wer aktiv mitmachen will, findet Anschluss in der AG Naturschutz oder beim Stadtgarten Connewitz.
oekoloewe.de

BUND Regionalgruppe Leipzig
Natur- und Klimaschutz mit lokalem Fokus, aktive Beteiligung an Stadtratsdebatten zu Flächenverbrauch, Bauleitplanung und Energiewende.
bund-leipzig.de

⚖️ Wenn es hart auf hart kommt

Bundeskartellamt: bei überhöhten Fernwärmepreisen
Fernwärme ist bauartbedingt ein Monopol. Wenn deine Preise deutlich über dem Marktdurchschnitt liegen (Vergleich über waermepreise.info), kannst du dich formlos ans Bundeskartellamt wenden. In Einzelfällen lassen sich überhöhte Preiserhöhungen rückwirkend korrigieren.
bundeskartellamt.de

Schlichtungsstelle Energie
Unabhängige, außergerichtliche Schlichtung bei Streit mit Strom- oder Gasversorgern. Kostenlos für Verbraucher*innen.
schlichtungsstelle-energie.de

Politisches: Was wir als Grüne Leipzig dafür tun

Viele der Hürden für Mieter*innen, z.B. zu teure Modernisierungsumlagen, langsamer Smart-Meter-Rollout, intransparente Fernwärmepreise, zu wenig Mieterstrom, liegen nicht an deinem Einzelfall, sondern am politischen Rahmen. Deshalb arbeiten wir auf mehreren Ebenen daran, genau diesen Rahmen gerechter und wirksamer zu gestalten.

🏙️ Im Leipziger Stadtrat

Unsere Fraktion im Stadtrat setzt sich für eine Wärmeplanung ein, die Mieter*innen nicht vergisst – mit belastbaren Informationspflichten, einer frühzeitigen Beteiligung betroffener Bewohner*innen und sozial gestaffelten Förderungen für Sanierungen. Wir fordern außerdem Transparenz bei den Fernwärmepreisen der Leipziger Stadtwerke und eine Ausweitung der Mieterstrommodelle.

Mehr dazu: Die aktuellen Stellungnahmen und Anträge findest du auf der Seite der Grünen Fraktion im Leipziger Stadtrat.

🏛️ Im Sächsischen Landtag und im Bund

Auf Landes- und Bundesebene arbeiten Grüne unter anderem an einer Reform der Netzentgelte, an einer wirksamen Preisaufsicht für Fernwärme, am beschleunigten Smart-Meter-Rollout und an einer Begrenzung der Modernisierungsumlage. Mieterstrom soll einfacher werden, Balkonkraftwerke noch unbürokratischer.

Mehr dazu: Positionen und Programme findest du im Kommunalwahlprogramm 2024, im Landtagswahlprogramm und im Bundestagswahlprogramm.

🤝 Im Kreisverband Leipzig

In unseren Arbeitsgemeinschaften diskutieren Mitglieder und Interessierte konkrete Leipziger Fragen — von Stadtentwicklung und Mobilität bis zu Umwelt und Klima. Viele unserer Positionen zum Thema dieser Seite entstehen in diesen Runden. Die Treffen sind offen, auch ohne Parteimitgliedschaft kannst du dabei sein und mitdiskutieren.

Mehr dazu: Eine Übersicht aller AGs findest du unter Arbeitsgemeinschaften. Relevante Beschlüsse unserer Mitgliederversammlungen stehen in unserer Beschluss-Sammlung.

Mitmachen: So kommst du rein

Ob du ab und zu mitdiskutieren willst, regelmäßig in einer Arbeitsgemeinschaft mitwirken möchtest oder gleich Mitglied werden willst, bei uns gibt es für alles einen Weg. Hier die drei häufigsten.

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🤝 Bei einer AG oder einem Stammtisch vorbeikommen

Unsere Arbeitsgemeinschaften und Stammtische sind offen für Interessierte, auch ohne Parteimitgliedschaft. Für die Themen dieser Seite besonders einschlägig sind die AG Umwelt und Klima und die AG Stadtentwicklung und Mobilität. Einfach bei einem Termin vorbeischauen und mitreden.

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🌻 Mitglied werden

Wenn du längerfristig mitgestalten willst, ist eine Mitgliedschaft der direkteste Weg: Stimmrecht auf Mitgliederversammlungen, Kandidaturmöglichkeiten, volle Teilhabe an der Willensbildung unserer Partei. Der Mitgliedsbeitrag ist einkommensabhängig und fair gestaffelt.

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Energiewende bedeutet nicht warten. Sie bedeutet: heute anfangen, morgen dranbleiben, mit anderen zusammen mehr erreichen – hier in Leipzig und für Leipzig.

Ob du deinen Stromanbieter wechselst, ein Balkonkraftwerk aufstellst, den ersten Brief an die Hausverwaltung schreibst oder zu einer AG kommst, jede Handlung zählt. Du musst nicht alles tun. Du musst nur etwas tun. Wir freuen uns drauf!

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