Wohnen mit Zukunft – bezahlbar, nachhaltig, sozial gerecht

Die Konferenz „Wohnen mit Zukunft – bezahlbar, nachhaltig, sozial gerecht“ brachte in Leipzig am 30. Mai 2026 zentrale Akteur*innen der Wohnraumfrage zusammen: Politik, Kammern und Verbände, Projektentwicklung, Wohnungs- und Immobilienunternehmen sowie soziale Initiativen. Gemeinsam wurde intensiv darüber diskutiert, wie mehr bezahlbarer und klimafreundlicher Wohnraum entstehen kann, ohne die soziale Gerechtigkeit aus dem Blick zu verlieren.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Dr. Friederike Frieler, Klaus Schmitz-Gielsdorf und Dr. Tobias Peter (Bündnisgrüne). Thomas Dienberg, Leipziger Baubürgermeister, skizzierte die drängenden Herausforderungen: Leipzig als Mieter*innenstadt leidet unter steigender Wohnungsnot, einer Mietbelastungsquote von 30 % und einer wachsenden Zahl unversorgter Haushalte seit 2021. Überproportional gestiegene Baukosten in Sachsen und ungenutzte Baugenehmigungen verschärfen die Lage. Als strategische Grundlage dienen das INSEK 2023 und die Stadtstrategie 2030, die urbane, Qualifizierungs- und Erweiterungsgebiete unterscheiden. Leipzig setzt auf Instrumente wie soziale Erhaltungssatzungen, Zweckentfremdungsverbote und einen qualifizierten Mietspiegel, um bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Dienberg forderte dauerhafte Förderung für sozialen Wohnungsbau und nachhaltige Bauvorgaben wie Begrünungssatzungen.

Im Forum 1 ging es um nachhaltigen und bezahlbaren Wohnungsbau. Andreas Wohlfahrt (Präsident der Architektenkammer Sachsen) betonte, dass Wohnen eine gesellschaftliche Aufgabe ist und ein Verteilungsproblem darstellt. Er verwies auf stark gestiegene Baukosten und nannte Lösungsansätze wie kleinere Wohnungen, Clusterwohnen und modulares Bauen. Norbert Hermanns (Aufsichtsratsvorsitzender der Landmarken AG) diskutierte das Spannungsfeld zwischen ökologischen Zielen und ökonomischen Möglichkeiten und forderte zirkuläres Bauen sowie Kooperation mit der Privatwirtschaft.

Forum 2 behandelte das Wohnen der Zukunft. Lars Loebner (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen Berlin) erläuterte, dass Berlin trotz sinkender Wachstumsraten unter Wohnungsnot leidet. Die Stadt investiert 1,5 Mrd. Euro jährlich in sozialen Wohnungsbau und setzt auf neue Quartiere mit ÖPNV-Anbindung. Antje Heuer (KARO* Architekten) sprach über die Revitalisierung von Leerständen in Altenburg (50 % Leerstand) durch den Masterplan Leerstandsaktivierung.

Im Forum 3 wurden alternative Wohnformen diskutiert. Alexander Müller (Verbandsdirektor vdw Sachsen) präsentierte Trends wie industrielles Bauen und Flexibilität. Alexander Hagner (Büro gaupenraub +/-) zeigte inklusives Wohnen am Beispiel VinziDorf Wien. Florian Schartel (Netzwerk Leipziger Freiheit) betonte die Bedeutung von Baugemeinschaften.

In der abschließenden Podiumsdiskussion einigte man sich auf Bürokratieabbau und schnellere Genehmigungen. Lösungen erfordern Kooperation aller Akteure und nachhaltige Quartiersgestaltung.

Was möchten wir erreichen?

Wohnen mit Zukunft ist für die Menschen in Leipzig und darüber hinaus eine zentrale Gerechtigkeitsfrage: Steigende Mieten, zu wenig Neubau und ein wachsender Bedarf an bezahlbaren Wohnungen treffen auf ökologische Krisen und soziale Spaltung. Wir wollen zeigen, dass eine andere Wohnungspolitik möglich ist – eine, die Klimaschutz, Bezahlbarkeit und soziale Sicherheit vereint.

Verantwortungsvoller Wohnungsbau muss Antworten auf die ökologischen und ökonomischen Fragen unserer Zeit geben: durch konsequente Energieeffizienz, Vorrang für Sanierung und Umbau statt Abriss, sparsamen Umgang mit Fläche und Baustoffen sowie durch Mieten, die Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen nicht überfordern. So entsteht Wohnraum, der sowohl das Klima schützt als auch finanzielle Stabilität für die Haushalte schafft.

Guter Wohnungsbau ist immer auch Teil einer Stadtentwicklungs- und Verkehrspolitik, die sich am Menschen orientiert. Neue Quartiere können als „Stadt der kurzen Wege“ geplant werden – mit Nahversorgung, Kitas, Schulen und Kultur vor Ort sowie einem starken ÖPNV-, Fuß- und Radverkehrsangebot. Das entlastet nicht nur Straßen und Umwelt, sondern stärkt lebendige, gemischte Viertel, in denen sich Menschen begegnen.

Dazu gehört auch, dass neue Wohnformen aus der Nische herauskommen: Genossenschaften, Baugruppen und weitere solidarische Modelle zeigen, wie dauerhaft bezahlbare Mieten, starke Nachbarschaften und gemeinschaftliches Leben entstehen können. Damit diese Ansätze systemrelevant werden, bedarf es besserer Förderbedingungen, fairem Zugang zu kommunalen Grundstücken und klaren Regeln, die gemeinwohlorientiertes Wohnen belohnen statt auszubremsen.